Kurz erklärt

Wie hoch ist die Entschädigung bei Gepäckverlust oder Gepäckschaden?

Der Haftungs-Cap nach Art. 22 Abs. 2 Montrealer Übereinkommen liegt seit 28. Dezember 2024 bei 1.519 Sonderziehungsrechten (SDR) pro Fluggast, umgerechnet ca. €1.800–1.900 je nach SDR-Tageskurs. Der Cap gilt einheitlich für Verspätung, Verlust und Beschädigung von Gepäck.

Wichtig: Ohne PIR-Formular (Property Irregularity Report) am Flughafen wird die Anspruchsdurchsetzung fast aussichtslos. Schadensmeldung schriftlich binnen 7 Tagen bei Beschädigung oder 21 Tagen bei Verspätung. Wer die Frist versäumt, verliert den Anspruch, auch bei eindeutiger Sachlage.

Quelle: Montrealer Übereinkommen Art. 17, 19, 22, 31 · ICAO-SDR-Anpassung 28.12.2024 · Stand: 9.05.2026 · Autor: Dr. Alexander Skribe

Was sind 1.519 SDR?

Sonderziehungsrechte (Special Drawing Rights, SDR) sind eine Verrechnungseinheit des Internationalen Währungsfonds. Der SDR-Wert wird täglich aus einem Währungskorb berechnet, fünf Hauptwährungen: USD, EUR, CNY, JPY, GBP. Der Tageskurs ist auf der IWF-Website abrufbar. Aktuell entspricht 1 SDR etwa €1,20.

Das Montrealer Übereinkommen sieht in Art. 24 eine regelmäßige Anpassung der Haftungsgrenzen vor. Die SDR-Beträge wurden inzwischen mehrfach erhöht, entsprechend der globalen Inflation:

ZeitraumCap pro FluggastEUR-Wert (ca.)
bis 29.12.20091.000 SDR~ €1.150
30.12.2009 – 27.12.20191.131 SDR~ €1.300
28.12.2019 – 27.12.20241.288 SDR~ €1.500
seit 28.12.20241.519 SDR~ €1.800–1.900

Maßgeblich ist der Wert am Tag des Schadens. Vor Gericht wird der SDR-Wert zum Schadenstag in EUR umgerechnet. Bei laufenden Verhandlungen kann der genaue Betrag also leicht variieren, die Größenordnung ist aber stabil bei rund €1.800.

Verspätetes Gepäck.

Landet der Fluggast am Zielflughafen ohne Gepäck, entsteht nach Art. 19 Montrealer Übereinkommen ein Anspruch auf Ersatz der notwendigen Auslagen, die sogenannten Ersatzkäufe. „Notwendig" bezieht sich auf Toilettenartikel, Kleidung, Pflege-Utensilien, Reisezweck-relevante Gegenstände. Der Cap von 1.519 SDR gilt auch hier.

Die Praxis: Belege aller Ersatzkäufe sammeln, sinnvoll-angemessenes Niveau halten. Geschäftskleidung für ein Meeting? Erstattbar. Designer-Tasche statt Notwendigkeit? Wahrscheinlich nicht. Der Streit dreht sich oft um die Angemessenheit. Skribe-Tipp: nicht über das hinaus kaufen, was reise- oder anlassbedingt unverzichtbar ist.

Die Schadensmeldung muss nach Art. 31 Abs. 2 Montrealer Übereinkommen binnen 21 Tagen nach Aushändigung des verspäteten Gepäcks schriftlich an die Fluglinie erfolgen. Wer die Frist versäumt, verliert den Anspruch.

Verlorenes Gepäck.

Nach Art. 17 Abs. 3 Montrealer Übereinkommen gilt Gepäck nach 21 Tagen als endgültig verloren, wenn es bis dahin nicht ausgeliefert wurde oder die Airline den Verlust ausdrücklich bestätigt. Erst dann greift der volle Anspruch auf Wertersatz für Gepäck und Inhalt bis zum Cap von 1.519 SDR.

Bei Verlust ist nicht der Listenpreis, sondern der Zeitwert ersatzpflichtig. Drei-Jahre-alter Koffer? Wertabschlag. Neue Kleidung mit Originalverpackung? Voll ersetzbar. Wer Wertgegenstände, Elektronik oder Schmuck im aufgegebenen Gepäck mitführt, sollte:

Beschädigtes Gepäck.

Bei beschädigt angekommenen Gepäckstücken besteht nach Art. 17 Abs. 2 Montrealer Übereinkommen Anspruch auf Ersatz für Koffer und Inhalt, ebenfalls bis zum Cap von 1.519 SDR. Die Frist ist hier deutlich kürzer als bei Verspätung: 7 Tage ab Aushändigung für die schriftliche Schadensmeldung (Art. 31 Abs. 2).

Diese 7-Tage-Frist ist die häufigste Falle: Der Koffer wirkt vielleicht nur leicht beschädigt, aber der schriftliche Damage-Report wird vergessen. Eine Woche später platzt ein Reißverschluss vollends, der Anspruch ist dann meist verloren.

Skribe-Empfehlung: Gepäck direkt am Übergabe-Schalter prüfen. Wer den Koffer vorbehaltlos mitnimmt, greift nach Art. 31 Abs. 1 Montrealer Übereinkommen die Vermutung der unbeschädigten Annahme. Das Schadensereignis muss dann der Fluggast beweisen, was im Schriftverkehr mit der Airline schwer wird.

Bei Vorsatz oder grobem Verschulden der Airline (Art. 22 Abs. 5) entfällt der SDR-Cap. Das ist praktisch selten, aber bei nachweislich missbräuchlicher Behandlung, etwa videodokumentierter Beschädigung beim Verladen, möglich.

„Sieben Tage. 21 Tage. PIR-Formular. Drei Größen, die jeder Fluggast vor dem Flughafen-Verlassen kennen sollte, wer eine versäumt, verliert den Anspruch."
Dr. Alexander Skribe · Skribe Rechtsanwälte GmbH
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„Die häufigste Ursache für gescheiterte Gepäck-Ansprüche ist nicht eine inhaltliche Schwäche, sondern eine versäumte Frist. Wer am Flughafen kein PIR ausfüllt und die 7-Tages-Frist bei Beschädigung verpasst, hat keinen Hebel mehr."
Dr. Alexander Skribe
Position

Was Airlines behaupten vs. was wir durchsetzen.

Was Airlines im Schriftverkehr sagen

Typische Ablehnungsgründe: „Schaden auf vorhandene Defekte oder mangelnde Qualität des Gepäckstücks zurückzuführen." Oder: „Schäden wurden nicht vorbehaltlos bei Annahme gemeldet." Oder: „Wertsachen hätten ins Handgepäck gehört, daher kein Ersatz." Auch: pauschale Berufung auf den Cap und Verweigerung der Erstattung des tatsächlichen Schadens, auch unterhalb des Caps.

Skribe-Position

Die Beweislast für mangelnde Qualität trägt die Airline, nicht der Fluggast. Solange der Schaden bei der Aushändigung nicht erkennbar war, ist die Vermutung der ordnungsgemäßen Übergabe nicht greifbar, der Damage-Report binnen 7 Tagen reicht. Wertsachen-Argumente werden auf Art. 22 geprüft. Der Cap ist eine Obergrenze, kein Pauschalbetrag, wir setzen den realen Schaden bis zum Cap durch.

Das PIR-Formular.

Property Irregularity Report, der schriftliche Verlust- oder Schadensnachweis am Flughafen. Pflicht-Dokument für jede spätere Anspruchsdurchsetzung. Drei Punkte, die das PIR strukturell ausmachen:

Wo erhältlich. Lost-and-Found-Schalter am Zielflughafen, oft direkt im Bereich der Gepäckbänder. Bei kleineren Flughäfen alternativ am Servicepoint der Airline.

Was rein gehört. Kontaktdaten des Fluggastes inklusive Lieferadresse, Flugnummer, Buchungsnummer, Beschreibung des Gepäckstücks, Sachverhalt (Verlust / Verspätung / Beschädigung), Datum und Uhrzeit der Ankunft, möglichst Foto-Dokumentation des Schadens.

Was Sie behalten. Den Durchschlag oder einen abfotografierten Scan. Ohne diesen Nachweis können Airlines später bestreiten, dass die Meldung am Flughafen erfolgte, und damit die Frist-Einhaltung in Zweifel ziehen.

Wichtig: Wer das Gepäck vorbehaltlos entgegennimmt, schwächt den Anspruch. Nach Art. 31 Abs. 1 Montrealer Übereinkommen gilt die Vermutung der ordnungsgemäßen Übergabe. Das PIR-Formular ist die einzige saubere Methode, diese Vermutung zu durchbrechen.

Was tun bei Gepäckproblemen.

Sechs Schritte, die in den ersten Stunden den Anspruch sichern:

Fragen & Antworten.

Wie hoch ist die Entschädigung bei Gepäckverlust oder Gepäckschaden?

Der Haftungs-Cap nach Art. 22 Abs. 2 Montrealer Übereinkommen liegt seit 28. Dezember 2024 bei 1.519 Sonderziehungsrechten (SDR) pro Fluggast.

Umgerechnet entspricht das ca. €1.800–1.900 je nach SDR-Tageskurs. Der Cap gilt einheitlich für Verspätung, Verlust und Beschädigung von Gepäck.

Was sind Sonderziehungsrechte (SDR)?

Sonderziehungsrechte sind eine Verrechnungseinheit des Internationalen Währungsfonds. Der SDR-Wert wird täglich aus einem Währungskorb (USD, EUR, CNY, JPY, GBP) berechnet.

Der Tageskurs ist auf der IWF-Website verfügbar. Aktuell entspricht 1 SDR etwa €1,20, der genaue Wert für eine Klage wird zum Schadenstag herangezogen.

Wann gilt mein Gepäck als verloren?

Nach Art. 17 Abs. 3 Montrealer Übereinkommen gilt Gepäck nach 21 Tagen als verloren, wenn es bis dahin nicht ausgeliefert wurde, oder die Airline den Verlust ausdrücklich bestätigt.

Erst dann greift der volle Anspruch auf Wertersatz; vorher gelten die Regeln für Verspätung mit Anspruch auf Ersatzkäufe.

Welche Fristen gelten für die Schadensmeldung?

Bei Gepäckbeschädigung: 7 Tage ab Aushändigung schriftlich melden (Art. 31 Abs. 2). Bei Gepäckverspätung: 21 Tage ab Aushändigung. Bei Verlust: keine starre Frist, aber zeitnah.

PIR-Formular unbedingt am Flughafen ausfüllen. Wer die Frist versäumt, verliert den Anspruch, auch bei eindeutiger Sachlage.

Was ist das PIR-Formular?

Property Irregularity Report, die offizielle Verlust- oder Schadensmeldung am Flughafen. Pflicht-Dokument für jede Anspruchsdurchsetzung. Die Aufnahme erfolgt am Lost-and-Found-Schalter oder Beschwerdestelle der Airline.

Wer ohne PIR den Flughafen verlässt, hat es vor Gericht ungleich schwerer, die Vermutung der unbeschädigten Annahme greift.

Werden auch teure Gegenstände im Gepäck erstattet?

Nur bis zum Cap von 1.519 SDR, sofern keine besondere Wertdeklaration vor Abflug erfolgt ist. Wer Schmuck, Elektronik oder Wertsachen über dem Cap mitführt, sollte sie deklarieren oder im Handgepäck transportieren.

Bei nachgewiesenem Vorsatz oder grobem Verschulden der Airline (Art. 22 Abs. 5) entfällt der Cap, das ist aber praktisch selten.

Grenzen

Wann der Anspruch nicht greift.

  • Bei versäumter Schadensmeldung nach 7 Tagen (Beschädigung) oder 21 Tagen (Verspätung), Frist ist absolut
  • Bei vorbehaltloser Annahme ohne PIR-Formular, die Vermutung der ordnungsgemäßen Übergabe greift
  • Bei vorhandenen Defekten oder mangelhafter Qualität des Gepäckstücks, wenn die Airline das nachweisen kann
  • Bei Wertsachen ohne besondere Deklaration über dem Cap von 1.519 SDR, Empfehlung: ins Handgepäck
  • Bei verjährten Ansprüchen nach Art. 35 Montrealer Übereinkommen (zwei Jahre ab Ankunft am Bestimmungsort)
  • Bei Eigenverschulden des Fluggastes, z.B. unzureichende Verpackung empfindlicher Gegenstände
Aktualisiert: 9.05.2026 · 10:00 Autor: Dr. Alexander Skribe Sprache: de-AT ID: wissen/artikel/gepaeck-verloren-beschaedigt-montrealer-uebereinkommen
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